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Zum internationalen Bundesturnfest nach Berlin über Pfingsten vom Sa., den 3. Juni, bis Sa., den 10. Juni 2017. Wir waren dabei mit einer Jugendgruppe!

25 Jugendliche aus deutschen und Flüchtlings-Familien beim Internationalem Bundesturnfest in Berlin

Das wäre doch mal einen Versuch wert, dachten sich Michael Rettberg vom Verein für Integrationshilfe Jade und Tanja Schumacher vom TuS Jaderberg, mit einer international gemischten Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus deutschen Familien und Flüchtlingsfamilien zum Bundesturnfest nach Berlin zu fahren.

Gemeinsam Sport treiben ist dabei nichts Neues. Denn seit über zwei Jahren nehmen immer mehr Flüchtlinge aller Altersstufen das Angebot des Sportvereins wahr, beitragsfrei Sport zu treiben, vor allem Fußball, Leichtathletik, Volksläufe und Badminton. „Das ist die beste Art, in Kontakt zu kommen mit den Einheimischen“, beobachtet Michael Rettberg, der die Integrationshilfe in Jade koordiniert. Doch eine gemeinsame Fahrt zu machen, bedeutet nicht nur Sport zu treiben, sondern auch sieben Nächte zusammen in einem Klassenraum auf dem Boden zu übernachten und gemeinsam Mahlzeiten zu planen und einzunehmen.

Was den Organisatoren anfangs als ein Experiment mit unsicherem Ausgang erschien, nahm dann einen sehr gelungenen und glücklichen Verlauf. Schnell und problemlos bildeten die 25 Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 18 Jahren, darunter fünfzehn Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, ein echtes Team.

Mit Unterstützung der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung und der Diakonie des Oldenburger Landes konnte die Finanzierung bewältigt werden und die Reise beginnen. Davor gab es noch einige kleinere Hürden für manche Flüchtlinge zu überwinden, die noch nie Ähnliches mitgemacht hatten. Mehrere Info- und Trainingstreffs vorab halfen Fragen zu klären wie: Was nehme ich mit? Wo bekomme ich Campinggeschirr, Schlafsack und Isomatte her? Wie stößt man eine Kugel, wie wirft man mit dem Schleuderball oder springt korrekt ab beim Weitsprung? Darf man als Mädchen auch in langer Hose und mit Kopftuch starten? Ist das Essen auch halal? Alles wurde geklärt und so ging es gut vorbereitet mit dem Bus nach Berlin.

Gleich am Ankunftstag wartete der erste Höhepunkt auf die muntere Truppe: Ein kilometerlanger Festumzug auf der Straße des 17. Juni mit Durchmarsch durch das Brandenburger Tor. Zehntausende von Sportlern und viele Musikzügen waren dabei. Die Jaderberger Gruppe fand viel Beifall, zumal sich die syrischen und afghanischen Jungen geradezu drängelten, auch mal die Vereinsfahne zu tragen. Als einige müde Beine bekamen, nahmen Almontazer und Wael gerne die Jüngsten, Emma und Jasmin, auf ihre Schultern.

Für die Jaderberger folgten dann viele erlebnisreiche Tage, gefüllt mit Aktivitäten aller Art: Jeder, auch die Betreuer, absolvierte einen leichtathletischen Vierkampf. Der 14-jährige Azad mit Rang 3 und der 80-jährige Otto Bramstedt mit Rang 4 waren besonders erfolgreich. Otto Bramstedt coachte die Jugendlichen und fand viel Sympathie bei ihnen. Neben dem Leistungssport gehörten auch Fitness- und Geschicklichkeitsparcours, das Ausprobieren von Trendsportarten, Schwimmen im Tegeler See, Besuche der großen Sportmesse am Funkturm und das Miterleben einer Supershow im Olympiastadion mit Eröffnung durch die Bundeskanzlerin zum abwechslungsreichen Programm. Die Vielfalt der Möglichkeiten ließ jeden Jaderberger, ob Junge oder Mädchen, ob 8 oder 18 Jahre alt, Spaß haben, und unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit bahnten sich Freundschaften an. Unter Leitung von Christa Busboom gab es deutsch-arabische Küche mit internationalem Küchenpersonal aus den Reihen der Jugendlichen.

Spätestens nach zwei Tagen surften alle so sicher wie alte Berliner im U- und S-Netz, dass eine Stadterkundung in kleinen Gruppen gewagt werden konnte. Auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag besuchte die ganze Gruppe am vorletzten Tag das Bundestagsgebäude, verbunden mit einem Aufstieg in die gläserne Kuppel, einem Essen im Bundestagsrestaurant und einer Führung durch die Ausstellung „Demokratie in Deutschland“ im Deutschen Dom. Der Führer durch diese Ausstellung fand viel Aufmerksamkeit gerade bei den jugendlichen Flüchtlingen, konnte er doch sehr überzeugend und gut verständlich für alle herleiten, dass das heute geltende Recht auf Asyl ohne die demokratischen Bewegungen seit dem 19. Jahrhundert und die geschichtlichen Erfahrungen des 20.Jahrhunderts kaum denkbar wäre. Die 11-jährige Khawla hielt den Reiseführer für so kompetent, dass sie von ihm wissen wollte: „ Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht?“

Am Ende der Fahrt wären alle noch gerne länger zusammen und in Berlin geblieben, aber wie bemerkte Mohammad so passsend: „Mama und Papa warten doch auf uns.“

MR

Allgemeine Informationen zum Internationalen Deutschen Turnfest

Weltweit größte Wettkampf- und Breitensport-Veranstaltung mit langjähriger Tradition

1860: 1. Deutsches Turnfest in Coburg

Seit 1990 4-jähriger Turnus mit wechselnden Austragungsorten in Deutschland

Richtet sich an alle Altersgruppen und Nationalitäten (Internationalität)

Das Internationale Deutsche Turnfest umfasst:

70.000 erwartete Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 50.000 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer sowie Mitglieder in Vorführgruppen aus 4.000 Vereinen

400 Wettkämpfe in 24 Sportarten, davon 24 Deutsche Meisterschaften in 9 Sportarten

40 Shows und Veranstaltungen

Teilnehmer aus dem Breiten- und Freizeitsport sowie dem Spitzensport der Turnvereine

Internationale Gäste und Teilnehmer aus 20 Nationen erwartet

 

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