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Rainer Müller im Gespräch Sept. 2015

Im Gespräch mit Rainer Müller

Rainer, 62 Jahre, verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder, ist seit seiner Jugend mit dem TuS Jaderberg verbunden. Dabei galt und gilt dem Fußball seine ganze Leidenschaft und das erklärt er so.

Rainer: Fußball ist einfach und kompliziert zugleich, das macht ihn für mich so faszinierend.

Viele Jahre hat er für den Verein Verantwortung übernommen. So war er 8 Jahre lang Fußballobmann und 6 Jahre Trainer und Spielertrainer im Verein. Als Student (Lehramt Sport, Politik und Geschichte) war er leistungsstark genug, in Oldenburg in der Bezirksliga zu spielen. Als Spieler war er vorher schon mit 17 Jahren in der 1. Herrenmannschaft des TuS Jaderberg aktiv und erzielte in der ersten Halbsaison 7 Tore.

Rainer: Die Frage, was einen guten Trainer und ein gutes Training ausmacht, beschäftigt mich schon lange.

Davon zeugen seine 1981 erworbene Trainer C-Lizenz und die 1994 folgende B-Lizenz (Leistungsfußball).Seit 1994 engagiert er sich jetzt schon als Kreislehrwart des Fußballkreises Wesermarsch, führt in dieser Funktion Lehrgänge zur Ausbildung von ca. 250 Trainern durch, organisiert Sichtungsturniere im E-Jugendbereich und bleibt selber am Ball, indem er an Fortbildungen teilnimmt oder mit den Talenten der E-Jugend (Kreisauswahl Wesermarsch) trainiert. Er gehört mit zu den ersten 25 Trainern aus Niedersachsen, die das vom DFB neu geschaffene DFB-Ausbilder-Zertifikat anstreben. Für sein großes Engagement und in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste für den Sport erhielt Rainer im letzten Jahr die silberne Ehrennadel des Landessportbundes Niedersachsen. Das war schon die zweite Auszeichnung, nachdem er 2008 den Ehrenamtspreis des DSB bekommen hatte u.a. für die Förderung des Mädchenfußballs.

Sein besonderes Interesse gilt dem Kinder- und Jugendtraining. Jugendtrainer und –trainerinnen mit Lizenzen und Zertifikaten zu haben ist für den Sportverein nicht nur deshalb von Bedeutung, weil er dann mehr Zuschüsse von den Sportverbänden für seine Arbeit bekommt.

Rainer: Viel entscheidender ist aber, dass man erfährt, Erwachsenenfußball ist eine andere Welt!

Man könne nicht, was gut und richtig für erwachsene Spieler sein mag, auf das Kinder- und Jugendtraining projizieren. Wie spricht man die 3 bis 18 jährigen richtig an, was muss ich über ihren physischen, emotionalen und intellektuellen Entwicklungsstand wissen, was sind altersgemäße Ziele, die ich mit meinem Training anstreben sollte? Lehrgänge helfen, hierauf seine eigenen Antworten zu finden und ein effektives, abwechslungsreiches und altersgemäßes Training anzulegen.

Rainer: Gute Trainer und gutes Training- nicht nur im Fußball- sind die Existenzgrundlage eines Sportvereins. Nur das hält die Jugendlichen, die Kinder und ihre Eltern dauerhaft im Verein. Das Dropout-Phänomen (Jugendliche steigen im Alter ab 14 Jahren bundesweit bis zu 80% aus dem Fußballsport aus) hat verschiedene Ursachen, die nicht nur, aber auch vom Verein beeinflussbar sind. Wenn man um die Bedürfnisse der Jugendlichen weiß und angemessen darauf eingeht, werden sie auch eher bleiben wollen.

Ein Trainerlehrgang für die C-Lizenz, der auch von Rainer angeboten wird, dauert 120 Lerneinheiten a 45 Min. Die Hälfte unterrichtet er selbst, ansonsten wird er von Fachreferenten zu verschiedenen Themen unterstützt.

Rainer: Das ist wirklich gut investierte Zeit für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, denn die Ausbildung ist sehr praktisch orientiert und die Trainerarbeit macht danach doppelt Spaß.

Rainer findet die Heterogenität der Teilnehmer in seinen Trainerlehrgängen besonders reizvoll:  Im Alter von 15 bis 55, auch mal ein 72 jähriger und alle möglichen Berufsschichten vom Handwerker bis zum Akademiker und zunehmend auch Frauen. Der Praxisanteil überwiege deutlich im Lehrgang, die Theorie sei nicht zu wissenschaftlich, es gehe hier um Breitensport, betont Rainer. Bedauerlich findet er es, dass nicht selten Vereinsmitglieder mit finanzieller Unterstützung ihres Vereins Lizenzen erwerben und dann kein Training anbieten. Berufliche Belastung, Schichtdienst u.ä. seien ernstzunehmende Rechtfertigungen, aber es gäbe ja auch Lösungen, indem man sich z.B. den Trainerposten mit mehreren Personen, darunter eine mit Lizenz, teilt. Das werde im TuS schon recht erfolgreich praktiziert. Dennoch werde es immer schwieriger, im Fußball und im Sportverein insgesamt genügend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu finden.

Rainer: Eine Kommerzialisierung auch als Zukunftsmodell des Vereinssports mangels ehrenamtlichen Einsatzes wird in großen Vereinen schon praktiziert, wird aber auch auf dem Lande langfristig und partiell zu erwarten sein, beim Fußballsport als Volksport aber wohl als letztes.

Im Breitensport gelte: Fußball ist in erster Linie Spaß. Aber auch Gesundheitssport, das Vermitteln von Werten,-Beispiel Fairplay Liga, und soziales Lernen gehören zu den Trainingszielen, was wegen der Individualisierung und fehlenden Bewegungserfahrung der Kinder für die Trainer immer wichtiger und schwieriger werde, aber immer noch gut gelänge, schätzt Rainer die Lage im Kreisverband ein.

Rainer: Auch Untalentierte und Unangepasste sollen gefördert werden. Zwischen Fordern und Fördern muss jeder Trainer den richtigen Weg finden, damit die Kinder und Jugendlichen dabei bleiben. Schon die Differenzierung in eine 1. und 2. Mannschaft kann problematisch werden und bei Eltern und Kindern der 2.Mannschaft das Gefühl von Restmannschaft erzeugen. Weniger Ergebnisfußball, mehr Erlebnisfußball: das unterscheidet den Breitensport vom Leistungssport.

Als Kreislehrwart hat Rainer auch die Förderung des Fußballes als Leistungssport im Blick zu haben. Dazu gehört die vom DFB durchorganisierte Sichtung und Förderung von Talenten schon ab der E-Jugend. Rainer sieht nicht nur Vorteile in diesem System.

Rainer: Sich gegenseitig Talente wegzuziehen, gibt es leider schon in allen Ebenen und Altersklassen. Das kann gut gehen für den Einzelnen und eine echte Förderung bedeuten, aber auch mit Scheitern verbunden sein. Für die abgebenden und Rückkehrer wieder aufnehmenden Vereine ist das oft schwierig und frustrierend.

Für die Eltern der Talente sei zudem die zeitliche Belastung hoch und die Frage, was ist gut für mein Kind und was ist gut für den DFB immer neu gestellt. Im Verein sei das Elterninteresse und die Elternhilfe allgemein bis etwa D-Jugend groß und auch ganz wichtig, dann werde es, beobachtet Rainer, deutlicher weniger, was entwicklungspsychologisch bedingt von den meisten Jugendlichen sogar gewünscht würde, aber, wie jeder Trainer wüsste, organisatorische Probleme nach sich ziehe.

Am Ende des Gesprächs bleibt aber trotz aller Probleme im Fußballsport, von denen nur einige im Gespräch mit Rainer berührt werden konnten, die Gesamtbilanz für Rainer positiv.

Rainer: Fußball wird uns auch zukünftig als Volkssport mit all seinen positiven Effekten erhalten bleiben.

MR

 

 

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